„Wir wollen nämlich auch mal miteinander tanzen!“ – Musicalpremiere „Back to School“

Treffender hätte es Sigmund alias Rodrigo, einer der Hauptdarsteller des Musicals „Back to School“, das am 20. und 21. Mai in der Aula des Solitude-Gymnasiums seine Premiere hatte, nicht auf den Punkt bringen können: Schule ist mehr als ein Lernort, Schule ist ein Ort, an dem man Freunde treffen, Gemeinschaft erleben und eben auch mal miteinander tanzen möchte. 

Wir befinden uns im Jahr 2050: Die Sprengung des Solitude-Gymnasiums wird eingeleitet. An seiner Stelle soll ein Serverzentrum mit Schul-KIs entstehen. Vier Kinder weigern sich, das hinzunehmen. Sie folgen der spontanen Idee ihrer Anführerin Billy und steigen in Back to the Future – Manier in die Zeitmaschine der genialen Wissenschaftlerin Dr. Green, um die entscheidenden Weichen in der Vergangenheit umzustellen. Natürlich geht das nicht ohne Pannen, denn zunächst geht die Maschine kaputt und die vier müssen deren Teile in verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten wiederfinden – im Wilden Westen, in der Antike und im Barock. Eine unfreiwillige Zwischenlandung führt mitten in einen 80er-Jahre-Schwoof am Solitude-Gymnasium. Mit der Hilfe Dr. Greens gelingt es ihnen schließlich, in eine Musical-Aufführung im Jahr 2026 im Solitude-Gymnasium zu gelangen, wo sie die Schulleiterin, Frau Schwahn selbst, davon überzeugen können, sich für den Erhalt der Schule als Ort der Begegnung einzusetzen. Und siehe da – der Plan geht auf, wie Dr. Green aus der Zukunft meldet: Auch im Jahr 2050 ist noch fröhliches Gelächter auf dem Schulgelände zu hören. 

In dem revueartig angelegten Stück aus der Feder der Theater-AG und ihres Leiters Herrn Thiel wechselten einander Theaterszenen, Musik und Tanz in lockerer Folge ab. Einziger Ankerpunkt in der Simultaneität von Raum und Zeit war die von Kunstlehrerin Frau Conzelmann und der Klasse 9c gestaltete monumentale Zeitmaschine, futuristisch beleuchtet und verklanglicht von der Technik-AG. Zu den mächtigen Orchesterklängen von „Back to the Future“ brachte sie die vier Hauptdarsteller, hervorragend gespielt von Jara, Romy, Annelie und Rodrigo, von Ort zu Ort. 

Die anfänglich triste Stimmung, von Chor und Orchester auf anrührende Weise musikalisch untermalt, wich bald guter Laune: Der digitale Chor vermittelte mit einem Augenzwinkern („Always look on the bright side of life!“) Zuversicht, bevor die Chorkinder ihre Online-Papp-Screens langsam, ganz wie zu Coronazeiten, auf „Offline“ kippen ließen. 

Es folgte eine lustige und spannende Western-Szene mit coolen und vor allem cool lachenden Cowboys beim Kartenspiel, eingeleitet durch schmissige Ragtime-Klänge des Orchesters sowie einen zünftigen Stomp der Percussion-AG-Kinder mit Waschbrett, Flaschen und Fass. Dass letztere auch tanzen können, bewiesen sie mit dem abschließenden Line Dance, dem selbst die unbewegliche Miene der drei Cowboys nur mit Mühe standhalten konnte. 

Auch Antike und Barockzeit ließen das Publikum auf seine Kosten kommen: Zum Lachen reizten da die Dirigierkünste des extrovertierten Sophokles, der einen ziemlich gewitzten antiken Chor leitete, der sogar den Satz des Pythagoras beherrschte. Ein Ohrenschmaus war die klangvoll gespielte barocke Triosonate für Flöte, Geige und Cembalo. Und für komische Momente sorgte Sigmund mit seinen Hip-Hop-Moves zwischen den sich zu Menuettklängen anmutig und grazil bewegenden Hofdamen. 

Der Song „Sweet Dreams“, gespielt von den fantastischen Solitunes, brachte schließlich auch das Publikum in Schwoof-Laune und ab da war kein Halten mehr – rasant folgten aufeinander die Vertragsunterzeichnung mit Special Guest Frau Schwahn, eine fetzige Bühnenparty mit akrobatischen Einlagen zu „Cheap Thrills“ und schließlich der eindrucksvoll inszenierte Schlussong „What about us“. Jubel und große Party, live in der voll besetzten Aula des Solitude-Gymnasiums – auf der Bühne tanzen und singen alle Schauspielerinnen und Schauspieler und der Chor; Band und Percussion-AG liefern den Beat, das Orchester legt sich ins Zeug: Gemeinschaft blieb bei der Musicalvorstellung nicht nur eine leere Worthülse, sondern wurde von allen Akteuren des Abends gelebt, einschließlich dem begeisterten, mitfiebernden Publikum. 

Schulleiterin Frau Schwahn, nun wieder im Hier und Jetzt, griff diese Botschaft auf, als sie zum Abschluss den über 80 Mitwirkenden mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Herrn Sorg, Herrn Thiel, Frau Vollmer, Herrn Wankmüller und Frau Wheatman dankte, die dieses Gemeinschaftswerk mit Herzblut, Engagement und viel Liebe zum Detail auf die Beine gestellt haben. 

Chapeau! 

Vol/ Fotos: Ba